Absturzsicherung im Aufzug: Welche Systeme stoppen den Fahrkorb?

Christoph Derwanz

Geschäftsführer

Inhalt

Die Absturzsicherung im Aufzug besteht aus mehreren getrennten Schutzebenen. Gemeint sind Bauteile und Überwachungen, die den Fahrkorb bei technischen Fehlern bremsen, halten oder seine Bewegung begrenzen. Welche Sicherungen greifen, hängt von Aufzugsart, Antrieb und technischer Ausstattung ab.

Absturzsicherung im Aufzug: Das Wichtigste in Kürze

  • Die Absturzsicherung im Aufzug schützt den Fahrkorb vor Übergeschwindigkeit, unbeabsichtigter Bewegung, Tragmittelversagen und dem Überfahren von Endlagen.
  • Bei Seilaufzügen sichern Tragmittel, Triebwerksbremse, Geschwindigkeitsbegrenzer, Fangvorrichtung, Führungsschienen und Puffer unterschiedliche Fehlerfälle ab.
  • Bei Hydraulikaufzügen sichern Zylinder, Ventile, Hydraulikleitungen, Rohrbruchsicherung, Führungssystem und Puffer die Abwärtsbewegung.
  • GüDe Aufzugtechnik prüft Sicherheitsbauteile von Bestandsaufzügen bei Wartung, Reparatur, Modernisierung und der Begleitung wiederkehrender Prüfungen.

Kann ein Aufzug abstürzen?

Ein sicher betriebener und geprüfter Aufzug darf keinen freien Fall des Fahrkorbs zulassen. Nach heutigen technischen Anforderungen muss die Anlage den Fahrkorb bei Störungen halten, abbremsen oder seine Bewegung begrenzen können.

Grundlage sind vor allem die Betriebssicherheitsverordnung und die TRBS 1201 Teil 4. Sie regeln Prüfung, Prüfumfang und Fristen. Die Hauptprüfung darf höchstens alle zwei Jahre erfolgen, dazwischen ist eine Zwischenprüfung vorgesehen.

Wenn der Aufzug-TÜV abgelaufen ist oder Wartung ausbleibt, können Verschleiß, Bremsprobleme, beschädigte Tragmittel oder Mängel an der Fangvorrichtung unentdeckt bleiben. Ein Absturz bleibt ein technischer Extremfall. Er setzt schwere Defekte, fehlende Kontrolle und das Versagen mehrerer Schutzebenen voraus.

Welche Fehlerfälle sind technisch relevant?

Typische Fehlerfälle sind:

  • Übergeschwindigkeit: Der Fahrkorb bewegt sich schneller als vorgesehen.
  • Unbeabsichtigte Fahrkorbbewegung: Die Kabine verlässt eine Haltestelle unkontrolliert.
  • Überfahren einer Endlage: Der Fahrkorb überschreitet den vorgesehenen Haltebereich.
  • Verlust der Aufhängung: Tragmittel werden stark beschädigt oder versagen.

Was passiert bei einem Seilriss am Aufzug?

Ein Seilriss am Aufzug führt bei ordnungsgemäß ausgelegten Seilaufzügen in der Regel zu keinem freien Fall. Seilaufzüge verwenden mehrere Stahlseile oder beschichtete Gurte, die die Last gemeinsam tragen.

Wird ein Tragmittel beschädigt, bleiben weitere Tragmittel vorhanden. Steigt die Fahrkorbgeschwindigkeit über den zulässigen Wert, reagiert die Schutzkette aus Geschwindigkeitsbegrenzer und Fangvorrichtung. Die Fangvorrichtung bremst den Fahrkorb über die Führungsschienen ab.

Welche Schutzebenen sichern einen Seilaufzug?

Beim Seilaufzug verteilt sich die Absturzsicherung auf mehrere Bauteile. Sie tragen den Fahrkorb, halten den Antrieb, überwachen die Geschwindigkeit und bremsen den Fahrkorb im Fehlerfall ab. Die Sicherheitssysteme ergänzen den Grundaufbau aus Fahrkorb, Gegengewicht, Antrieb und Steuerung.

  • Tragmittel: Seile oder Gurte tragen den Fahrkorb und verbinden ihn mit Antrieb und Gegengewicht.
  • Triebwerksbremse: Die Bremse hält den Fahrkorb im Stillstand und schließt bei sicherheitsrelevanten Abschaltungen.
  • Geschwindigkeitsbegrenzer: Er erkennt eine unzulässig hohe Geschwindigkeit und löst die Fangvorrichtung aus.
  • Fangvorrichtung: Sie greift an den Führungsschienen und bremst den Fahrkorb kontrolliert ab.
  • Führungsschienen: Sie halten den Fahrkorb in seiner Bahn und dienen als Bremsfläche für die Fangvorrichtung.
  • Endschalter und Puffer: Sie überwachen und begrenzen Bewegungen am Ende des Fahrwegs.

Zusammen bilden diese Bauteile eine mehrstufige Schutzkette. Fällt eine Funktion aus oder entsteht eine gefährliche Bewegung, greifen weitere Sicherungen ein.

Übersicht: Welche Sicherheitssysteme im Fehlerfall reagieren

Jeder Fehlerfall spricht eine andere Schutzebene an. Die Übersicht zeigt, welches System zuerst reagiert und welche Wirkung daraus entsteht.

Fehlerfall Reagierendes System Wirkung
Stromausfall Triebwerksbremse Der Antrieb stoppt, die Bremse schließt.
Fehler an Steuerung oder Antrieb Sicherheitskreis und Bremse Die Fahrt endet oder wird bei Übergeschwindigkeit gefangen.
Zu hohe Abwärtsgeschwindigkeit Geschwindigkeitsbegrenzer Der Fahrkorb wird an den Schienen abgebremst.
Schaden an einem Tragmittel übrige Tragmittel Die Aufhängung bleibt erhalten oder der Fahrkorb wird gefangen.
Bewegung aus der Haltestelle Schutz gegen unbeabsichtigte Fahrkorbbewegung Der Fahrkorb bleibt im zulässigen Bereich.
Überfahren der unteren Endlage Endschalter Die Restbewegung wird begrenzt.
Leitungsbruch am Hydraulikaufzug Rohrbruchsicherung Ölstrom und Abwärtsbewegung werden gestoppt oder stark begrenzt.

Wie sichern Hydraulikaufzüge die Abwärtsfahrt?

Hydraulikaufzüge sichern die Abwärtsfahrt über Zylinder, Hydrauliköl, Ventile und Rohrbruchsicherung. Der Fahrkorb hängt dabei je nach Bauart direkt am Kolben oder zusätzlich an Tragmitteln. Entscheidend ist, dass der Ölfluss kontrolliert wird.

So greifen Bewegung und Sicherheit ineinander:

  • Ruf auslösen: Die Steuerung gibt die Fahrt frei und prüft, ob Türen, Sicherheitskreis und Fahrbefehl zusammenpassen.
  • Aufwärtsfahrt: Das Aggregat pumpt Öl in den Zylinder. Der Kolben hebt den Fahrkorb kontrolliert an.
  • Halt an der Etage: Die Ventile schließen. Der Fahrkorb bleibt an seiner Position und sinkt im Normalbetrieb nicht unkontrolliert ab.
  • Abwärtsfahrt: Das Öl fließt geregelt durch den Ventilblock zurück. Die Kabine senkt sich nur so schnell, wie der Ventilblock es zulässt.
  • Leitungsbruch: Die Rohrbruchsicherung erkennt einen ungewöhnlich hohen Ölstrom. Sie schließt oder drosselt den Durchfluss direkt am Zylinder.
  • Schutzwirkung: Die schnelle Abwärtsbewegung wird gestoppt oder stark begrenzt.
Hinweis: Für Betreiber sind Ölspuren, Nachsinken, ruckartige Bewegungen oder wiederkehrende Störungen am Hydrauliksystem klare Prüfanlässe. Bei indirekt hydraulischen Aufzügen kommen zusätzliche Tragmittel und passende Einrichtungen gegen Übergeschwindigkeit oder Tragmittelversagen hinzu. GüDe Aufzugtechnik berät Sie zur Absturzsicherung Ihres Aufzugs und ordnet ein, ob Wartung, Reparatur oder Modernisierung sinnvoll ist.

Wann braucht die Absturzsicherung eines Bestandsaufzugs eine Modernisierung?

Wiederkehrende Prüfmängel, verschlissene Tragmittel, veraltete Bremsentechnik oder fehlende Ersatzteile sprechen für eine technische Bewertung. Auch häufige Störungen, unklare Fehlerbilder oder geänderte Gebäudenutzung können eine Modernisierung einzelner Sicherheitsbauteile auslösen.

Ein Austausch muss zur vorhandenen Steuerung, Mechanik und Dokumentation passen. Verändert ein Umbau Bauart oder Betriebsweise, kann vor der Wiederinbetriebnahme eine Prüfung durch eine zugelassene Überwachungsstelle erforderlich werden. Prüfpunkte sind Bremsüberwachung, Tragmittel, Begrenzer, Fangvorrichtung, hydraulische Ventile und die Ergebnisse der letzten Prüfungen.

So sichern Sie die Schutzkette Ihres Aufzugs ab

Die Absturzsicherung wirkt nur zuverlässig, wenn alle Schutzebenen zur Anlage passen und regelmäßig geprüft werden. Betreiber sollten Bremse, Tragmittel, Fangvorrichtung, Geschwindigkeitsbegrenzer und hydraulische Sicherheitssysteme deshalb gemeinsam betrachten.

Ihre Vorteile mit GüDe Aufzugtechnik:

  • technische Einschätzung der gesamten Sicherheitskette
  • klare Einordnung von Wartung, Reparatur und Modernisierung
  • feste Ansprechpartner für Prüfung, Störung und laufende Betreuung

Ihr nächster Schritt: Lassen Sie die Absturzsicherung Ihres Aufzugs prüfen und mit GüDe Aufzugtechnik einordnen, welche Maßnahmen für Ihre Anlage sinnvoll sind.

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Absturzsicherung am Aufzug: Häufige Fragen und Antworten

Kann ein Aufzug bei einem Stromausfall abstürzen?

Bei gängigen Seilaufzügen schließt die mechanische Triebwerksbremse, sobald die elektrische Lüftung ausfällt. Der Fahrkorb bleibt dadurch stehen. Der Stromausfall betrifft eher die Personenbefreiung und den weiteren Betrieb, deshalb müssen Betreiber Notruf und Befreiungsablauf separat organisieren.

Woran erkennt man, dass eine Fangvorrichtung ausgelöst hat?

Nach dem Auslösen steht der Fahrkorb an den Führungsschienen fest. Ein Fachbetrieb muss Fangvorrichtung, Schienen und Auslöseeinrichtung prüfen und die Anlage zurücksetzen, bevor sie wieder genutzt wird.

Werden Aufzugseile bei jeder Wartung geprüft?

Tragmittel gehören zu den wiederkehrenden Kontrollpunkten eines Seilaufzugs. Umfang und Methode richten sich nach Wartungsplan, Bauart, Laufleistung und Zustand der Anlage.

Darf ein Aufzug nach dem Auslösen der Fangvorrichtung weiterfahren?

Die Anlage darf erst nach technischer Prüfung und Freigabe wieder genutzt werden. Die Auslösung kann Fangbacken, Führungsschienen und weitere Komponenten belastet haben.

Prüft GüDe Aufzugtechnik Sicherheitssysteme fremder Aufzugshersteller?

GüDe Aufzugtechnik betreut Bestandsanlagen verschiedener Fabrikate. Vor einer Empfehlung prüft das Team Technik, Dokumentation, Ersatzteillage und den Zustand der sicherheitsrelevanten Bauteile.

Kann GüDe Aufzugtechnik eine veraltete Absturzsicherung modernisieren?

GüDe Aufzugtechnik bewertet, welche Sicherheitsbauteile sich einzeln erneuern lassen und wo ein größerer Umbau erforderlich ist. Maßgeblich sind Anlagenzustand, Prüfbefund, technische Kompatibilität und spätere Prüfbarkeit.

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